
Der Patientenkompass
Ein umfassender Ratgeber der Schweizerischen Stiftung SPO Patientenschutz.
Der Patientenkompass weist Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörigen bei medizinischen Fragen den Weg durch den "Dschungel" im Gesundheitswesen.
Informierte Patienten und Angehörige können sich eine aktive Rolle in ihren medizinischen Behandlungen zutrauen und nehmen so selbstbestimmt Einfluss auf ihre Gesundheit.
Was ist im Umgang mit medizinischen Informationen zu beachten? Welche Aspekte sind beim Behandlungsentscheid zu bedenken? Was können Patientinnen und Patienten zur eigenen Sicherheit im Spital beitragen? Wie lösen Betroffene Konflikte, die während oder nach der medizinischen Behandlung entstehen? Was tun, wenn Angehörige oder Patienten Behandlungsfehler vermuten? u.a.m.
Buch Details
- Erscheinungsdatum:
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- Form/Einband:
- Seitenanzahl: 114
- ISBN: 978-3-905795-40-0
- Auflage: 1. Auflage
- Auflage vorhanden: nicht vergriffen
Pressetexte
Der „Patientenkompass“ beinhaltet ein 5-Stufen-Konzept und richtet sich an Patienten und Angehörige mit krankheitsübergreifenden Anliegen und Fragen. Auch Ärzten sei der Ratgeber ans Herz gelegt. Er eignet sich nicht für Krankenkassen-Anliegen und nicht für spezielle Krankheitsfragen wie z.B. bei Krebs oder Rheuma.
Der Teil 1 gibt Auskunft über das Sammeln von Informationen. Der Hausarzt soll den Patienten exakt und ausführlich aufklären über die Diagnose und Therapiemöglichkeiten und soll abwägen zwischen Risiken und Nutzen. Dazu ist er besser geeignet als das Internet. Der Patient soll sich auf diese Besprechungen vorbereiten und sich in aller Ruhe Fragen aufschreiben, die auch z.B. beim Facharzt vor einer Operation gestellt und beantwortet werden sollen. Der Arzt muss sich bemühen, in einfacher und verständlicher Sprache die Probleme zu erläutern. Bei Unklarheiten darf und muss der Patient nachfragen.
Im Teil 2 geht es um die Bewertung der Informationen. Welches ist der Nutzen der Behandlung ? Ändert sich meine Lebenserwartung oder die Lebensqualität ? Oder die Art und Dauer der Beschwerden ?
Im Teil 2 geht es auch um unliebsame Doppel-Untersuchungen und um den Schutz vor einer Überbehandlung, ein gerade heute sehr aktuelles Thema.
Der Teil 3 zeigt auf, dass ein informierter Patient gerade bei bevorstehender, grosser Operation leichterentscheiden kann. Er kennt die Risiken, also die Komplikationsmöglichkeiten eines Eingriffs und kann sieins Verhältnis zu seinem Leidensdruck setzen. Er weiss, dass die Lebensqualität, beispielsweise bei derProstata-Karzinom-Operation, wegen Impotenz und Inkontinenz möglicherweise abnehmen wird, aber gegenüber der eigenen Sicherheit, den Beschwerden und der Lebenserwartung abgewogen werden muss. Es geht also nicht nur um die medizinische, sondern wesentlich auch um die persönliche Indikation.
Der Teil 4 gibt Auskunft über ein informiertes Verhalten des Patienten während der Behandlung. Wie wehrt man sich gegen ärztliche Übergriffe ? Man muss nie vollständig unbekleidet vor den Arzt stehen. – Wo kann man Hilfe holen bei ärztlichen Grenzüberschreitungen? Wenn möglich soll sich der Patient beim Arztbesuch durch eine Person aus dem Familien- oder Freundeskreis begleiten lassen. Vier Ohren verstehen mehr als nur zwei. Auch Kenntnisse über andere, z.B. hygienische Voraussetzungen im Spital oder beim Arzt sind hilfreich. Hinweise auf Broschüren über die Patientensicherheit (z.B. über die Händedesinfektion zur Prävention nosokomialer Infekte) finden sich in diesem Abschnitt. Kritisches Nachfragen der Patienten ist auch hier wesentlich.
Barbara Züst erläutert jedes Kapitel mit leicht verständlichen, wertvollen Patienten-Beispielen.
Der Teil 5 schliesslich behandelt das informierte Verhalten im Konflikt. Das Thema ist für Arzt, Klinik und Patienten oft heikel. Es wird aber im „Kompass“ von Barbara Züst äusserst neutral, kompetent, verständlich und auch subtil abgehandelt.
Der Patient hat ein Anrecht auf Informationen durch den Arzt über Behandlungsalternativen. Er hat das Recht auf die eigenen Daten ( Kopie Krankengeschichte, Untersuchungsbefunde). Er soll Kenntnis haben über die Patientenverfügung und über den Organspende-Ausweis. Anderseits soll er informiert sein über die Pflichten des Patienten.Ganz wesentlich (und immer wieder vernachlässigt) ist, dass der Patient den Unterschied kennt zwischen einem medizinischen Behandlungsfehler (früher „Kunstfehler“ benannt) und dem Behandlungsrisiko, also den einzukalkulierenden Behandlungskomplikationen.
Der Patient weiss Bescheid über die zumutbare Sorgfaltspflicht des Arztes und weiss, dass ein Behandlungserfolg nicht garantiert werden kann.
Bei Komplikationen oder gar vermuteten Behandlungsfehlern ist als erstes das Gespräch mit dem verantwortlichen Arzt zu suchen, der sich Zeit und Ruhe nehmen muss und unbedingt Empathie zeigen darf.
Ärztliche Informationen und Anteilnahme gerade auch in schwierigen Situationen sind Anstand und vornehme Pflicht. Sie helfen oft mit, den Gang zum Rechtsanwalt, zum Gutachter und zum Richter zu ersparen.
Im Anhang des „Patientenkompasses“ finden sich Check-Listen:
- Abklärungen vor einer Operation
- Für Zahnpatientinnen und –Patienten
- Antworten auf häufige Fragen zum Thema Röntgen
- Anleitung für das Entkleiden bei Untersuchungen
- Rechte und Pflichten von Patienten
- Umgang mit der Krankengeschichte
- SPO-Anlaufstellen für Patienten
- Weitere Anlaufstellen für Patienten
Dr. Rainer Hoffmann, Facharzt FMH Chirurgie
Selbständig sein und bleiben
Mit dem Internet hatten nicht wenige Ärzte vorerst ihre liebe Mühe. Denn jetzt begannen einige ihrer Patienten mit Recherchen auf den einschlägigen Webseiten. Kundige merkten bald, dass die Medizin mit der Medline und dem PubMed über grossangelegte Wissenstruhen verfügten.
Was hatte das zu bedeuten? Dass sich die Patienten gewissermassen Ausbildung an sich selbst betreiben sollen, um den behandelnden Ärzten zu sagen, was zu tun wäre? Wohl kaum, käme das doch einer blossen Anmassung gleich. Soll es darum weiterhin so zu und hergehen wie vor der Digitalisierung, als der Patient, nachdem er lange genug im Wartzimmer warten musste, mundstill seine Diagnose und Therapie entgegennahm?
Schaut man genauer hin, so Patientenrechte gab es immer schon, auch wenn man sie nicht voll einforderte. Wie soll aber ein Patient entscheiden, ohne dass ihm sein Sachverhalt erklärt wird? Da ist zuweilen die eigene Hilflosigkeit zu spüren. Die Medizin aber soll nicht nur heilen oder lindern. Auch wenn sie zuweilen den Leuten den Spiegel vorhalten muss, soll sie niemandem seine Lebensweise vorschreiben. Aber sie hat dazu beizutragen, dass ein Leben in voller Selbständigkeit so lange als möglich ist.
Um dieses zu realisieren, braucht es Regeln; Regeln für die handelnden Personen, Regeln für den Alltag und am Arbeitsplatz, vor allem aber Regeln, die den Patienten dienen und schützen. In sehr verdienstvoller Weise hat sich Barbara Züst unlängst mit einer ebenso klaren wie präzisen Arbeit zu den Patientenrechten hervorgetan. Der Titel des äusserst handlichen Buches lautet: Der Patienten-KompassWie der Untertitel besagt, geht es der Verfasserin um selbstbestimmte Entscheide während den medizinischen Behandlungen. Dabei ist ihr auch an unvoreingenommener Literatur gelegen, die sie eingangs aufführt und die der Entscheidungsfindung dienen sollen.
Die Ausführungen zum Kern – das Verhältnis zwischen Arzt und Patient beschlägt nicht nur das rein rechtliche Vorgehen, sondern ebenso sehr das „Darum herum“, sei dies das Vertrauen, oder mögliche Alternativen sowie Fragen der Lebensqualität. Der Leser und die geneigte Leserin werden in diese Gefilde mitgenommen. Davon zeugen verschiedene praktische Beispiele.
Dass die Vorsorge ebenso wie die Kosten , macht das Buch glaubwürdig. Die grossräumige Umfahrung insbesondere der Kosten kann sich heutzutage kein Autor in Sachen Gesundheit erlauben. Wer Rechte ausweist, muss aber immer auch wissen, dass er oder sie andere damit bedrängen oder durch andere selber beeinträchtigt werden. Das heisst, es sind auch Konflikte auszutragen. Und das braucht zuweilen Mut und Rückgrat. Viele scheuen sich deswegen, direkt gegen fehlbare Personen vorzugehen, was indessen der Sache kaum dient, keine Lehren gezogen werden.
Die Verfasserin verwandelt sich gegen den Schluss ihrer Arbeit hin zur Ratgeberin. In den Anhängen werden die wesentlichen Elemente nochmals aufgeführt.
Alles in allem hat Barbara Züst eine erfreuliche und vor allem nützliche Arbeit geschrieben – ein praktisches Buch, das einen weiten Leserkreis verdient. Von einer Juristin geschrieben, ist es leicht lesbar. Vor allem aber ist das Buch getragen von der Einsicht, dass trotz unterschiedlichster Interessenlagen letztlich der Patient und die Patientin im Blickfeld stehen müssen. Wer denn sonst!
Prof. em Dr. Hans Peter Fagagnini, Lindenweg 23, 3066 Stettlen
Mit grossem Interesse habe ich den „Patientenkompass“ gelesen. Ich gratuliere Ihnen zu diesem sehr informativen und gut lesbaren Nachschlagewerk. Der Aufbau über die 5 Schritte zum informierten Patienten passt gut zu den aktuellen Diskussionen im Gesundheitswesen (Gesundheit2020).
Sehr gut sind m.E. auch die wiederholten Hinweise, dass primär das Gespräch gesucht werden soll (Arzt, Spital), bevor weitere Massnahmen ergriffen werden (Ombudsstellen, Rechtschutzversicherung, Anwalt).
Insgesamt: Super Ratgeber in Ergänzung zu den Beobachter-Büchern.
Heinz Roth, Leiter Prävention SVV